Liane Ströbel

Functional Advantages

Warum entstehen überhaupt verbo leve-Konstruktionen? Und warum sind diese so frequent,

dass sie teilweise die entsprechenden Vollverben verdrängen?

Não diga em duas palavras o que você puder exprimir em uma.
(Martins Filho 1992: 73)

4.1 Bildung von Prädikaten mit fremdsprachlichen Substantiven

Verbos leves können auch dann eingesetzt werden, wenn kein Vollverb-Äquivalent existiert (vgl. Kapitel 3.1). Dies ermöglicht insbesondere die Einbettung von fremdsprachlichem Mate- rial, insbesondere wieder im Bereich der technischen Fachsprache:

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a. Os preços dos gravadores de CD e DVD e a multiplicação de periféricos que ajudam a

fazer backups [vs. *backupar] (…).
b. Para fazer download [vs. *downloadar], acesse o site e clique na figura com a inscrição

download.
c. O windows XP está funcionando normalmente, a atualização não deverá apresentar maio res problemas. Já fiz o upgrade [vs. *upgradeei] em quatro máquinas (…).

d. (…) Correr pelas ruas movimentadas de BayView, acumulando dinheiro e fazendo um “tuning” [*tuningando] no seu carro. (Santana Neves 2006: 47)

Diese Funktion der Einbettung fremdsprachlichen Materials findet sich auch in vielen anderen Sprachen wieder, z.B. fr. faire la sieste ʻSiesta machenʼ < sp. siesta oder türk. dans etmek ‘tanzen’ < fr. danse ʻTanzʼ (vgl. Ströbel 2010: 117).

4.2 Sprachökonomie

Esteves (2008) führt zudem an, dass verbo leve-Konstruktionen sogar kürzer sein können als die entsprechenden Vollverben, z.B. dar parabéns (4 Silben) vs. parabenizar (5 Silben). Die- ses Ökonomie-Argument gilt aber nur in Einzelfälle (z.B. ter uma discussão vs. discutir). In isolierenden Sprachen wie dem Chinesischen ist die Silbenzahl sogar stets höher, z.B. chin. jìnxíng tǎolùn (wörtl. ‘durchführen Diskussion’ vs. tǎolùn ‘diskutieren’, jĭyŭ/gĕiyĭ bāngzhù (wörtl. ‘geben helfen helfen’ vs. bāngzhù (wörtl. ‘helfen (bāng) helfen (zhù)’ (vgl. Ströbel 2010: 94). Somit kann Sprachökonomie auf keinen Fall universell die Entstehung und Ver- breitung der verbos leves erklären.

4.3 Expressivität

Besser lässt sich die Motivation für die Entstehung von verbos leves mit dem Konzept der Expressivität (vgl. Pustka & Goldschmitt 2014) erklären: Der Sprecher verknüpft die ver- sprachlichte Handlung mit Hilfe sensomotorischer Verben stärker mit dem Subjet und daem ʻHier-und-Jetztʼ der Kommunikationssituation (vgl. Ströbel 2010, 2011, 2014a, 2014b). Auch Duran et al. (2011) sehen verbos leves als ein Mittel, den Fokus stärker auf das Subjekt der Aussage zu richten:

[S]e [o verbo-suporte] combina com um nome para tornar-se um predicado completo, dado que alguns substantivos e adjetivos podem evocar argumentos internos, mas precisam ser associados a um verbo para evocar o argumento externo, isto é, o sujeito (Duran et al. 2011: 75).

Durch die expressive Verknüpfung des Subjekts mit der Aussage (z.B. O Pedro tem fome, Wörtl. Lesart: Pedro hat/hält etwas bzw. die Angst ganz nah bei sich) wird gleichzeitig auch die Relevanz der Aussage für die Diskurssituation verstärkt (vgl. O Pedro tem fome ~agora tem fome). Somit stellen verbo leve auch eine Möglichkeit der expressiven Markierung der aktuellen Kommunikationssituation dar, die man auch als explizites Präsens bezeichnen könnte. Die ursprüngliche Expressivität von verbos leves schwindet aber mit der hohen Gebrauchsfrequenz derselben in der Rede. Dies öffnet den Weg für das Eindringen weiterer expressiverer Verben mit demselben kognitiven Ankerpunkt HAND in diesen Bereich:

Les langues suivent ainsi une sorte de développement en spirale; elles ajoutent des mots accessoires pour obtenir une expression intense; ces mots s’affaiblissent, se dé- gradent et tombent au niveau de simples outils grammaticaux; on ajoute de nouveaux mots ou des mots différents en vue de l’expression; l’affaiblissement recommence, et ainsi sans fin. (Meillet 1912: 140f.; vgl. auch Lüdtke 1980: 9, Koch/Oesterreicher 1996: 76, Keller 32003: 150).