Liane Ströbel

Effizierende, Modalverben und aktionsartverändernde Verben

In bestimmten Kontexten können effizierende Verben als Quasi-Leerverben gewertet werden, da diese –ähnlich wie die Leerverben- keine wirklich neue Information der Äußerung hinzufügen, sondern nur einen bestehenden Zusammenhang, nämlich zwischen der durch die Kombination von Verb und Nomen entstandenen Handlung und dem Subjekt der Handlung, betonen, vgl.:

fr. Marie fait une pause / la sieste / un pèlerinage / une croisière. = sa pause / sa sieste / son pèlerinage / sa croisière

Vielfach stellen effizierende Verben aber auch eine Zusatzinformation dar und zwar in den Fällen, in denen das Subjekt nicht mit der von der Handlung betroffenen Person/Sache identisch ist. Dies lässt sich auch durch das Translationskritierium („Possessivpronomen + PN“) nachweisen, vgl.:

fr. Mathilde m’avait fait peur. (EV)≠ sa peur (la peur de Mathilde)

(…)

Eine weitere Spezifizierung in Form einer Zusatzinformation, welche nicht in der Verbindung Subjekt (X) zur Aussage (Y) angelegt ist, liegt bei Modalverben (wie z.B. fr.vouloir, devoir, pouvoir etc., aber auch teilweise modalisierten Verben, wie z.B. dt. bedürfen, fr. demander) vor, vgl.:

fr. Votre proposition demande réflexion. (MVV)
≠ sa réflexion (≠ réfléchir)
~ fr. On doit réfléchir / Il faut qu’on réfléchisse sur votre proposition.

Modalverben entsprechen –aufgrund dieser Zusatzinformation –eher Semi-Leerverben und stellen als Hilfsverben im weiteren Sinne bzw. eine Übergangsstufe zwischen Lexik und Grammatik dar.

Auch phasenspezifiziernde Verben (z.B. fr. se mettre à faire qc. / commencer à faire qc. (inchoativ); fr. être en train de faire qc. (durativ), fr. arrêter de faire qc. / finir de faire qc. (terminativ) etc.) verfügen über eine spezifische Zusatzinformation.
Ähnlich wie bei den Leerverben ist zwar die ursprüngliche Bedeutung verblasst oder sogar gänzlich verschwunden, dennoch handelt es sich bei diesen Verben nicht um entleerte Verben, da ihre ehemals konkrete Bedeutung einer neuen Bedeutung bzw. Funktion gewichen ist, vgl.:

fr. mettre qc sur la table (VV) (konkrete Bedeutung: Ortsveränderung)
vs.
fr. se mettre à lire un livre (neue Bedeutung: ~commencer –>inchoativ)(PSV)

1. Auf den Spuren der Entstehung einer neuen Kategorie: „Leerverben als paralleler Kopulastrang und (ursprünglich) explizites Präsens“

1.1 „Sein“ und „haben“ als Euroversal

1.2 „Haben“ als paralleler Kopulastrang

2. Leerverben und Leerverbgefüge aus synchroner Sicht

2.1 Leerverben und Leerverbgefüge aus semantisch-lexikalischer Sicht

2.1.1 Leerverben als „Linking Element“

2.1.2 Das Prädikatsnomen als semantischer Kern des Leerverbgefüges

2.2 Leerverben und Leerverbgefüge aus formal-syntaktischer Sicht

2.2.1 Leerverben als Prädikatisierungsmorphem und Leerverbgefüge als analytische Verben

2.2.2 Die Struktur von Leerverben und Leerverbgefügen

2.3 Leerverben und Leerverbgefüge aus funktioneller Sicht

2.3.1 Leerverben, Quasi-Leerverben und Semi-Leerverben

2.3.2 Effizierende Verben

2.3.3 Modalverben und aktionsartverändernde Verben

2.3.4 Idiomatisch- markierte Verbindungen

2.4 Das Scherendilemma Leerverben als grammatisch- geschlossene & Leerverbgefüge als lexikalisch-offene Klasse

2.4.1 Funktionselemente vs. Inhaltselemente

2.4.2 Leerverben als relativ geschlossene Klasse

2.4.3 Leerverbgefüge als relativ offene Klasse

2.5 Leerverben als verbale Funktionselemente der Sprache

3. Leerverben und Leerverbgefüge aus typologischer Sicht

3.1 Leerverben & Leerverbgefüge im Chinesischen

3.1.1 „Shì 是“ und „yǒu 有“

3.1.2 Potentielle Leerverbgefüge im Chinesischen

3.2 Leerverben & Leerverbgefüge im Japanischen

3.2.1 „Iru いる“ und „aru ある“

3.2.2 Leerverbgefüge vom Typ „suruする“

3.3 Leerverben & Leerverbgefüge im Türkischen

3.3.1 „Sein“ und „haben“ im Türkischen

3.3.2 Leerverbgefüge vom Typ „etmek“ und „yapmak“

3.4 Leerverben & Leerverbgefüge im Ewe

3.4.1 Entsprechungen von “sein” und “haben” im Ewe

3.4.2 Serial-Verb-Verbindungen und Leerverbgefüge vom Typ „wo“ im Ewe

3.5 Leerverben und Leerverbgefüge innerhalb und außerhalb der ROM+ Sprachen

4. Leerverben und Leerverbgefüge aus diachroner Sicht

4.1 Leerverben und Leerverbgefüge als Produkt von Grammatikalisierung, Reanalyse und Analogie

4.1.1 Leerverben als Grammatikalisierungsprodukt

4.1.2 Mechanismen der Grammatikalisierung

4.2 Schemata der Grammatikalisierung von Leerverben

4.2.1 Die Notwendigkeit eines Musters als Orientierungshilfe für Grammatikalisierungsprozesse

4.2.2 Wahl „in absentia“ (Metapher) vs. „in praesentia“ (Metonymie)

4.2.3 Die doppelte Translation von Leerverbgefügen

4.2.4 Die Leerverbstrategie – Leerverben als ‚explizites Präsens’

4.3 Richtung des Grammatikalisierungsprozesses

4.3.1 Basic-Level-Konzepte als Ausgangspunkt verbaler Grammatikalisierungsprodukte

4.3.2 Überschneidungen im Funktionsbereich von „sein“ und „haben“ und ihre Konsequenzen

4.3.3 Die Motivation der Verdrängung einer Form aus Teilen ihres Funktionsbereichs am Beispiel von sp. ser und estar

4.3.4 Grammatikalisierungszyklen ohne Synthetisierung am Beispiel von „haben“ vs.„halten, machen, geben etc“

4.4 Integration von Leerverbgefügen im Sprachsystem

4.4.1 Der langsame „Siegeszug“ von Leerverben und Leerverbgefügen

4.4.2 Unabhängigkeitserklärung der Leerverben

4.5 Die Faszination von Funktionselementen oder “junk makes the world go around“

5.Glossar