Liane Ströbel

Glossar

  • Abstraktum = Der Begriff Abstraktum wird in dieser Arbeit nur für Konzepte (deverbalen oder deadjektivischen Ursprungs) verwendet, welche den semantischen Kern von Leerverbgefügen stellen.
  • Agglutinierende Sprachen = In agglutinierenden Sprachen (z.B. Türkisch und Japanisch) setzen sich die Wörter aus einer Abfolge von mehreren sprachlichen Einheiten (Morphemen) zusammen, wobei jede Einheit jeweils nur eine Bedeutung bzw. Funktion hat.
  • Aktionsartverändernde Verben (PSV) = Phasenspezifiziernde (bzw. die Aktionsart markierende) Verben (PSV), wie z.B. Verben mit inchoativer, durativer oder terminativer Zusatzinformation bzw. Bedeutung. Ähnlich wie Leerverben ist bei PSV zwar die ursprüngliche Bedeutung verblasst, dennoch handelt es sich bei diesen Verben nicht um entleerte Verben, da ihre ehemals konkrete Bedeutung einer neuen Bedeutung bzw. Funktion (Markierung der Aktionsart) gewichen ist (~Semi-Leerverben).
  • Ambiguität = Sprachliche Ambiguität (besonders bei Basic-Level-Konzepte, die vielfach die Grundlage für Grammatikalisierungsprozesse stellen), wird meist durch eine hohe Gebrauchsfrequenz hervorgerufen. Ambiguität bzw. die Mehrdeutigkeit in bestimmten Kontexten ermöglicht z.B., dass ein und dasselbe sprachliche Zeichen Ausgangspunkt verschiedener Grammatikalisierungsprozesse sein kann.
  • Analogie = Analogie wird in dieser Arbeit als Unterprozess der Grammatikalisierung und als Motor von Grammatikalisierungsprozessen gesehen. Der in dieser Arbeit beschrieben Analogieprozess besteht aus zwei Phasen. In der ersten Phase kommt es zu einer immer weiter anwachsenden Kombinierbarkeit von LV mit PN, in der zweiten Phase zu einem Frequenzanstieg der neuen Variante (LVG).
  • Analytische Verbindungen = Verbindungen, die aus mehreren Bestandteilen bestehen, zusammen eine Einheit darstellen, aber bei denen die lexikalische Verteilung noch relativ ausgewogen ist, wie z.B. VNV, idiomatische Wendungen, PSVG und MVV.Analytische Verben = Verben, die sich aus mehreren Bestandteilen zusammensetzen, zusammen eine sprachliche Einheit bilden. Im Gegensatz zu analytischen Verbindungen ist es hier aber zu einer Funktionsaufspaltung (semantische Information vs. grammatische Funktion) gekommen, vgl. z.B. LVG oder KG.
  • Basic-Level-Konzepte (BLK) = Grundlegende menschliche Konzepte und Tätigkeiten. Aus sprachlicher Sicht hochfrequente Lexeme, die sich in mehrere Untergruppen einteilen lassen (vgl. lokative Verben, Transferverben, Fortbewegungsverben etc.) . BLK stellen die Grundlage für Grammatikalisierungsprozesse dar. Mit fortschreitender Grammatikalisierung werden diese bereits sehr allgemeinen Konzepte noch weiter generalisiert.
  • Bedeutungsaufspaltung = Eine semantische Bedeutungsaufspaltung besteht entweder von Anfang an, oder kann als eine Folge des Nebeneinanders von „neuer“ und „alter“ Form betrachtet werden (z.B. fr. faire appel vs. appeler, avoir l’intention de vs. intenter qc., dt. Hunger haben vs. hungern).
  • Bleaching = Beinhaltet das semantische Ausbleichen einer Form und stellt einen Prozess (neben Metapher und Metonymie) dar, der versucht, den Ursprung von Grammatikalisierungsprozessen sichtbar zu machen.
  • Diachroner Aspekt = Beleuchtet die Entstehung und Entwicklung von Phänomenen der synchronen Ebene (grammatische Regel, semantische Bedeutungen) und zeigt Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Grammatikalisierungsprozessen auf.
  • Durchsichtigkeit = Die Durchsichtigkeit der Entstehung bzw. die Möglichkeit der Zerlegung einer Einheit in seine Bestandteile bzw. das Nebeneinander einer eigenständigen Form und einer eher gebundenen Form verhindert (lange) eine phonologische Verkürzung bzw. Synthetisierung der Form.
  • Effizierende Verben (EV) / Effizierende Verb-Nomen-Verbindungen (EVV) = Bei diesen Verben bzw. in diesen Verbindungen wird der Kausator einer Handlung betont.
  • Emergent Grammar = Hopper (1987, 1998) betont mit dem Begriff „emergent grammar“ den Prozess der Herausbildung einer neuen Form (F2) aus einer älteren Form (F1), wobei die ältere Form nicht einfach untergeht, sondern weiterhin in der Sprache – parallel zur neuen Form- existiert.
  • Erweiterungskette = Vergrößerung der Kompatibilität der neuen Form mit weiteren Formen (z.B. Nomen, Verben, Adjektiven etc.)
  • Euroversal = Grammatische Phänomene die in vielen europäischen Sprache anzutreffen sind, wobei der Begriff „europäische Sprachen“ per se problematisch erscheint.
  • Frequenz = Verwendung bzw. Auftauchen einer bestimmten Form in Relation zu weiteren Formen.
  • Fokussierung = Verlagerung des (semantischen, pragmatischen oder grammatischen) Gewichts auf einen bestimmten Bestandteil oder eine bestimmte Funktion einer Aussage.
  • Funktionsverben (PSV) / Funktionsverbgefüge (PSVG) = Phasenspezifizierende bzw. Aktionsart markierende (inchoative, durative, terminative etc.) Verben (PSV) und Verben in Verbindung mit einem Nomen (PSVG).
  • Funktionswörter (FW) = Wörter, die „primär grammatische (anstelle von lexikalischer) Bedeutung tragen und vor allem syntaktisch-strukturelle Funktionen erfüllen (…)“(Bußmann (1990: 260)) bzw. „Wörter, die im Gegensatz zu sog. Vollwörtern keine (…) lexikalische Bedeutung tragen, sondern rein strukturelle Funktionen erfüllen, indem sie syntagmatisch syntaktische und textuale Beziehungen herstellen.“(Lewandowski [1979 (Bd. 1): 330])
  • Futur = Aufgrund von Parallelen in der Bildung, Entstehung und Weiterentwicklung ein zur Illustration des Phänomens „Leerverben“ geeignetes Ergebnis von verschiedenen Grammatikalisierungsprozessen.
  • Gewicht = (Semantisches) Gewicht eines Zeichens, mit dessen Hilfe es sich von anderen Zeichen abgrenzt.
  • Grammatikalisierung = Grammatikalisierung wird als Ober- und Unterprozess verstanden, wobei Grammatikalisierung als Oberprozess Grammatikalisierungs-, Reanalyse- und Analogieprozesse mit einschließt.
  • Grammatikalisierungszyklen = Vielfach erscheint Grammatikalisierung als ein Kreislauf immer wieder ablaufender Prozesse und einer Entwicklung von analytisch zu synthetisch, welches zu einem Auftauchen einer neuen analytischen Form führt.Hilfsverben (HV) [~Auxilisierung (Aux)] = Ein Verb, welches den lexikalischen Kern der Aussage begleitet, vgl. Lehmann (1985: 117): „Eine Kopula verbindet ein nominales Prädikat und ein Subjekt. „Ein Auxiliar ist [dagegen] ein grammatisches Wort (meist ein Verb), das mit einer infiniten Verbform zusammen ein finites Verb ergibt.“
  • Idiomatische Wendung (idio.) / Idiomatisch-spezifizierende Verben (SV) = Verben mit idiomatischer bzw. metapherhafter Zusatzinformation bzw. Verbindungen mit Verben, die eine spezifische bildliche Zusatzinformation zum semantischen Gehalt der Verbindung hinzufügen.
  • In absentia = Paradigmatische Ebene, im übertragenen Sinn alle semantischen Elemente, die in der ursprünglichen Äußerung nicht (codiert) enthalten sind, aber die Aussage (bildlich) verstärken können.
  • Inhaltselemente = Inhaltswörter bzw. sprachliche Zeichen ohne strukturelle Funktion, bei denen der semantische Gehalt dominant ist. Inhaltselemente sind stark bedeutungsunterscheidend.
  • In praesentia = Syntagmatische Ebene, im übertragenen Sinn alle Elemente die in der ursprünglichen Äußerung enthalten (codiert) sind und durch stärkere Bindung der Wortfunktionen miteinander verstärkt werden können.
  • Intensivierungsmorphem (IM) = Ähnlich wie Leerverben (Prädikatisierungsmorpheme) haben diese ihren lexikalischen Gehalt meist verloren, sie verstärken (intensivieren) jedoch bestimmte Aspekte der Äußerung.
  • Interlinguistisch = Vergleich zwischen verschiedenen Sprachen und SprachfamilienIntralinguistisch = Verhältnis bestimmter sprachlicher Phänomene innerhalb einer Sprache,
  • Isolierende Sprachen = In isolierenden Sprachen sind die sprachlichen Zeichen unveränderlich. Grammatische Beziehungen und Funktionen werden in diesen Sprachen über die Syntax ausgedrückt.
  • Käseglocke = Der Begriff „Käseglocke“ steht stellvertretend für die konkrete Kommunikationssituation. Die Käseglocke überdacht den Produzenten/Sprecher und den Rezipienten/Hörer und stellt gleichzeitig eine Barriere zwischen den Kommunikationsteilnehmern und der außersprachlichen Wirklichkeit dar. Mit anderen Worten, die „Käseglocke“ symbolisiert eine universelle Kommunikationssituation, indem sie Produzenten und Rezipienten von der Außenwelt isoliert.
  • Kardinalspunkte = Die Kardinalspunkten betreffen den Körper des Produzenten per sebzw. den Kopf, die Arme und Beine etc.). Im Falle von verbalen Grammatikalisierungsprozessen spielen vor allem zwei Stränge eine Rolle, nämlich der „Hand/Arm“- und der „Bein/Fuß“-Strang.
  • Kern / Kernkontinum = Der Kern wird als zentraler Punkt des Kontinuums einer Definition (z.B. der von LV) gesehen und dient als Richtlinie für die Struktur und Definition von LV/LVG. Aufgrund von Grammatikalisierungsprozessen ist dieser Kern per se gleichzeitig auch als ein Kontinuum zu sehen, da die Parameter zwar vorgeben, aber nicht starr sind.
  • Kognitive Muster = Kognitive Muster stellen die Grundlage für Grammatikalisierungsprozesse dar, gleichzeitig erlauben Grammatikalisierungsprozesse auch einen Blick auf dahinter liegende (bereits wieder „vergessene“) Muster. Sprache als Ausdrucksmittel bzw. reine Codierung kognitiver Prozesse ist gleichzeitig auch ein Mittel, die Welt dahinter zu erfassen.
  • Kollokation (coll.) = Phraseologismen, deren Wendung vollständig aus der Bedeutung der Teile analysierbar ist. Es bestehen lediglich lexikalisch determinierende Präferenzen für eines von mehreren möglichen Elementen eines Paradigmas.
  • Kommunikation/Kommunikationssituation = Quelle für Sprachneuerungen, da gerade in der Mündlichkeit das Auftauchen und Hineindringen von „neuen“ Formen ermöglicht wird.
  • Komplexe Prädikate = Analytische Prädikate im Gegensatz zu synthetischen Prädikaten (Verben), d.h. VNV/VNG, PSVG, MVG, LVG, KG etc.
  • Konkretum (KK) = Konkrete, fassbare Dinge (Nomen) bzw. konkrete Verwendung eines Verbs in seiner vollen lexikalischen Bedeutung.
  • Kontext = Bei der Herausbildung und Durchsetzung neuer Formen spielen verschiedene Kontexte eine Rolle, wie z.B. „untypical contexts“ (bei denen die neue Form auch in Kontexten auftreten kann, die vorher blockiert waren), „critical contexts“ (die verschiedene Interpretationen begünstigen) und „isolating contexts“ (bei denen die neue Bedeutung losgelöst von der älteren Bedeutung auftritt).
  • Kontinuum/Kontinuumsgedanke = Sprache befindet sich ständig im Wandel, daher erscheint es geeigneter, von einem Kontinuum mit festen Grenzen, aber in sich flexiblen Abstufungen auszugehen.
  • Konzepte = a) in Bezug auf das PN: ~ Eigenschaften, seelischen Zuständen etc., s.h. Abstraktum und b) allgemein: universell gleich, während die Form der sprachlichen Realisierung dieser Konzepte in jeder Sprache unterschiedlich ausfallen kann.
  • Konzeptuelle Brücken = Mit etwas in der Sprache bereits Vorhandenen wird eine „Brücke“ hin zu einer neuen Form/Sinn geschlagen. Eine „alte“ Form wird somit zur Konstruktion von etwas Neuem herangezogen, wobei das Neue schon in der „alten“ Form (indirekt) vorhanden war.
  • Kopula (K)/Kopulaverbgefüge (KG) = Funktionselement(e) bzw. syntagmatische Elemente ohne semantischen bzw. lexikalisch distinktiven Gehalt, deren Funktion rein grammatisch ist und als Prädikatisierungsmorpheme ein nicht prädikatsfähiges Lexem ins Prädikat überführen (Translation).
  • Layering = parallele Existenz von neueren und älteren Erscheinungen in einer Sprache (Schichtung).
  • Leerverben (LV)/Leerverbgefüge (LVG) = Funktionselement(e) bzw. syntagmatische Elemente ohne semantischen bzw. lexikalisch distinktiven Gehalt, deren Funktion rein grammatisch ist und als Prädikatisierungsmorpheme ein nicht prädikatsfähiges Lexem ins Prädikat überführen (Translation).
  • Leerwörter (LW) = Funktionselemente mit (je nach LW und Sprache) verschiedenen grammatischen Funktionen
  • Lücken = Sprachliche „Lücken“ finden in der Lexik. Diesen wird mit Mitteln der Wortbildung, Entlehnungsprozessen und Neologismen entgegengewirkt. In der Grammatik finden sich keine „echten“ sprachlichen Lücken, sondern nur „Nischen“. Als Folge eines Überangebots z.B. während eines Grammatikalisierungsprozesses kann es zu einer Rückdrängung der „alten“ zugunsten der „neuen“ Form kommen. Die „neue“ Form füllt daher keine „echte“, sondern erst eine durch das Aufkommen mehrer Alternativen entstandene „Lücke“.
  • Metapher = (Prozess in absentia) Betrifft die paradigmatische Ebene und umfasst kognitive Prozesse, bei denen konkrete, einfach strukturierte und meist bildliche Ausdrücke zur Versprachlichung eines abstrakten und komplexen Sachverhalt herangezogen werden.
  • Metonymie = (Prozess in praesentia) Betrifft die syntagmatische Ebene. In einer Aussage bereits zumindest indirekt beinhaltete Sachverhalte, Handlungen oder Beziehungen werden explizit verstärkt.
  • Modalverben (MV)/Modalverbverbindung (MVV) = V erben mit modaler Zusatzinformation, die subjektive Beziehung von X zu Y betont.
  • Motivation = Kognitive Prozesse, Verknüpfungen und Assoziationen, die die Entstehung von Grammatikalisierungsprozessen begünstigen.
  • Muster = Sprache ist ein Kodierungssystem, die Dekodierung kann nur erfolgreich sein, wenn bei der Kodierung eine Struktur/Muster bzw. ein (Kode-) Schlüssel verwendet wurde.
  • Neue Bedeutung/Form = Der Begriff „neu“ kann in diesem Zusammenhang irreführend sein, da die „neue „ Bedeutung meist gar keine „neue“, sondern nur eine bis zu diesem Zeitpunkt nicht übliche Bedeutung sind. Tritt diese „neue“ Bedeutung an die sprachliche Oberfläche, kann diese zu einer Verdrängung der „älteren“ Form führen.
  • Nische = Öffnung innerhalb der Grammatik für eine neue Form/Funktion. Diese neue Form/Funktion füllt keine sprachliche Lücke, sondern stellt (zumindest) anfangs eine zusätzliche sprachliche Möglichkeit dar.
  • Nischenform =  Funktionswörter bzw. sprachliche Zeichen, die das funktionelle Gerüst/Skelett für semantisch und lexikalisch gehaltvollere Zeichen darstellen. Funktionselemente bestimmen nachhaltig die Form und die Beschaffenheit einer Spreche
  • Opaktheit = Endphase von Grammatikalisierungsprodukten. Der Verlust der Durchsichtigkeit der Bildung (Synthetisierungsprozesse) begünstigt gleichzeitig das Auftauchen von „neuen“ analytischen Wendungen.
  • Phasenspezifizierende Verben (PSV) (s.h. Funktionsverben).
  • Prädikatsmorphem/Prädikatisierungsmorphem (PM) = Morpheme, die ein nicht prädikatsfähiges Lexem in die Prädikatsfunktion überführen.
  • Prototypen = Grundlage der Definition, entspricht aus definitorischer Sicht dem Kern, d.h. stellt den Maßstab für weitere Formen.
  • Quasi-Kopula(verbgefüge)/Quasi-Leerverb(gefüge) = Zwischenstufe zwischen LV und Semi-LV. Verben oder Gefüge auf einer Vorstufe zu K/LV und KG/LVG. Im oder am Randgebiet des Kontinuums der K/KG oder LV/LVG, die sich in bestimmten Kontexten und Situationen bereits wie K oder LV verhalten, aber eigentlich anderen Gruppen (meist effizierenden Verben) innerhalb der Gruppe der Funktionsverben im Allgemeinen angehören. Diese Verben entsprechen eher Intensivierungsmorphemen.
  • Randkontinuum = Graubereich, der die Grenzen des Kontinuums markiert, aber gleichzeitig durchlässig ist für pLV/pLVG.
  • Reanalyse = Unter Reanalyse wird allgemein der abrupte, kontiguitätsbasierte Sprachwandel verstanden, bei dem der ordre linéaire einer Konstruktion zwar gleich bleibt, die Hierarchierelationen innerhalb der syntaktischen komplexen Struktur durch die Umstrukturierung von Konstituenz verändert werden.
  • Redewendung (loc.) = Verbindungen von situationsbedingten und historischen Ursprungs, bei denen Herleitung durch die Zerlegung in einzelne Bestandteile meist blockiert ist.
  • Rhema/Objekt = Aus Gründen der Vereinfachung wird in dieser Arbeit der Begriff „Rhema“ vielfach mit dem Objekt und der Begriff „Thema“ mit dem Subjekt der Aussage gleichgesetzt. Die Erkenntnisse dieser Vereinfachung können aber auch auf komplexere Verhältnisse bzw. Überkreuzungen Thema = Objekt, Rhema = Subjekt übertragen werden (vgl. Funktionsaufteilung im Japanischen).
  • Scherendilema/-vergleich = Um grammatische Elemente von lexikalischen Elementen zu trennen wird ein „Scherenvergleich“ herangezogen. V erbindungen mit zwei inhaltstragenden Teilen lassen sich entweder durch eine „geschlossenen Schere“ (z.B. Redewendungen) bzw. eine „geöffnete Schere“ (z.B. Kollokationen) nachweisen. Bei Verbindungen von nur einem inhaltstragenden und einem rein funktionalen Element hingegen ist kein „Scherenvergleich“ (vgl. LVG) möglich!
  • Semi-Kopula/Semi-Leerverb = Verben mit spezifischen Zusatzgehalt bzw. Zusatzinformation, die weder im Prädikatsnomen noch in der Verbindung von Subjekt und Prädikatsnomen (bzw. „Possessivpronomen + PN“) enthalten ist. Aufgrund ihres bereits reduzierten semantischen Gehalts können bestimmte Verben aus dieser Gruppe, in Situationen in denen die spezifische Zusatzinformation vernachlässigbar wird, sich Quasi-Leerverben annähern (z.B. fr. mettre, wenn der inchoative Charakter zurücktritt).
  • Spezifizierende Verben (SV) = Idiomatisch-markierte bzw. Verben mit lexikalischer oder stilistischer Zusatzinformation.
  • Serial-Verb-Verbindungen (SVV) = Verbindung von mehreren Verben, aber auch Lexemen, die zusammen eine Einheit bilden. Im Gegensatz zu ZVV oder VNV entspricht die Bedeutung der einzelnen Bestandteile (bzw. ihre Addition) nicht der Bedeutung der Verbindung.
  • Stadium = Innerhalb von Grammatikalisierungsprozessen lassen sich verschiedene Zwischenstufen bzw. Stadien erkennen, deren Beginn und Ende schematisch abgrenzbar ist.
  • Synchroner Aspekt = Ebenen, in denen eine Definition und Bestandsaufnahme erstellt bzw. das Verhalten einer bestimmten Erscheinung in der Sprache und im Vergleich zu anderen Phänomenen innerhalb dieses Sprachzustandes untersucht werden kann.
  • Synthetisch/Synthetisierung = Einheit, die sich nicht nur aus semantisch-lexikalischer oder grammatisch-funktioneller, sondern auch aus formal-syntaktischer Ebene zeigt.
  • Thema/Subjekt (s.h. Rhema/Objekt).
  • Translation = Übersetzung eines Lexems mit Hilfe eines Funktionswortes in eine andere „Funktion“, ohne die Wortart sichtbar zu wechseln.
  • Transparenz (s.h. Durchsichtigkeit).
  • Typologisch = Vergleich zwischen verschiedenen Sprachen und Sprachfamilien.
  • Verbo-nominale/Verb-Nomen Verbindungen/Gefüge (VNV/VNG) = Allgemein Verbindungen von Verb und Nomen. Bei diesen Verbindungen kommt es zu keiner Funktionsaufteilung (grammatische Funktion vs. semantischer Kern).
  • Vollverben/Verben (VV) = Verben mit voller lexikalischer Bedeutung bzw. in einer Verwendung, in der der lexikalische Gehalt im Vordergrund steht.
  • Weggabelung = Zeitpunkt, an dem eine Form aus dem Schatten einer anderen tritt und von da ab einen anderen, teilweise parallelen Entwicklungsstrang geht als die „alte“ Form, vgl. auch „horizontaler und vertikaler Bruch“ bzw. „Bruchstelle“.
  • Zweiverbverbindung (ZVV) = Verbindungen von zwei Verben, Verb und Nomen bzw. Verbindungen von zwei Lexemen im Allgemeinen, die zusammen eine neue Einheit bilden.

Links

1. Auf den Spuren der Entstehung einer neuen Kategorie: „Leerverben als paralleler Kopulastrang und (ursprünglich) explizites Präsens“

1.1 „Sein“ und „haben“ als Euroversal

1.2 „Haben“ als paralleler Kopulastrang

2. Leerverben und Leerverbgefüge aus synchroner Sicht

2.1 Leerverben und Leerverbgefüge aus semantisch-lexikalischer Sicht

2.1.1 Leerverben als „Linking Element“

2.1.2 Das Prädikatsnomen als semantischer Kern des Leerverbgefüges

2.2 Leerverben und Leerverbgefüge aus formal-syntaktischer Sicht

2.2.1 Leerverben als Prädikatisierungsmorphem und Leerverbgefüge als analytische Verben

2.2.2 Die Struktur von Leerverben und Leerverbgefügen

2.3 Leerverben und Leerverbgefüge aus funktioneller Sicht

2.3.1 Leerverben, Quasi-Leerverben und Semi-Leerverben

2.3.2 Effizierende Verben

2.3.3 Modalverben und aktionsartverändernde Verben

2.3.4 Idiomatisch- markierte Verbindungen

2.4 Das Scherendilemma Leerverben als grammatisch- geschlossene & Leerverbgefüge als lexikalisch-offene Klasse

2.4.1 Funktionselemente vs. Inhaltselemente

2.4.2 Leerverben als relativ geschlossene Klasse

2.4.3 Leerverbgefüge als relativ offene Klasse

2.5 Leerverben als verbale Funktionselemente der Sprache

3. Leerverben und Leerverbgefüge aus typologischer Sicht

3.1 Leerverben & Leerverbgefüge im Chinesischen

3.1.1 „Shì 是“ und „yǒu 有“

3.1.2 Potentielle Leerverbgefüge im Chinesischen

3.2 Leerverben & Leerverbgefüge im Japanischen

3.2.1 „Iru いる“ und „aru ある“

3.2.2 Leerverbgefüge vom Typ „suruする“

3.3 Leerverben & Leerverbgefüge im Türkischen

3.3.1 „Sein“ und „haben“ im Türkischen

3.3.2 Leerverbgefüge vom Typ „etmek“ und „yapmak“

3.4 Leerverben & Leerverbgefüge im Ewe

3.4.1 Entsprechungen von “sein” und “haben” im Ewe

3.4.2 Serial-Verb-Verbindungen und Leerverbgefüge vom Typ „wo“ im Ewe

3.5 Leerverben und Leerverbgefüge innerhalb und außerhalb der ROM+ Sprachen

4. Leerverben und Leerverbgefüge aus diachroner Sicht

4.1 Leerverben und Leerverbgefüge als Produkt von Grammatikalisierung, Reanalyse und Analogie

4.1.1 Leerverben als Grammatikalisierungsprodukt

4.1.2 Mechanismen der Grammatikalisierung

4.2 Schemata der Grammatikalisierung von Leerverben

4.2.1 Die Notwendigkeit eines Musters als Orientierungshilfe für Grammatikalisierungsprozesse

4.2.2 Wahl „in absentia“ (Metapher) vs. „in praesentia“ (Metonymie)

4.2.3 Die doppelte Translation von Leerverbgefügen

4.2.4 Die Leerverbstrategie – Leerverben als ‚explizites Präsens’

4.3 Richtung des Grammatikalisierungsprozesses

4.3.1 Basic-Level-Konzepte als Ausgangspunkt verbaler Grammatikalisierungsprodukte

4.3.2 Überschneidungen im Funktionsbereich von „sein“ und „haben“ und ihre Konsequenzen

4.3.3 Die Motivation der Verdrängung einer Form aus Teilen ihres Funktionsbereichs am Beispiel von sp. ser und estar

4.3.4 Grammatikalisierungszyklen ohne Synthetisierung am Beispiel von „haben“ vs.„halten, machen, geben etc“

4.4 Integration von Leerverbgefügen im Sprachsystem

4.4.1 Der langsame „Siegeszug“ von Leerverben und Leerverbgefügen

4.4.2 Unabhängigkeitserklärung der Leerverben

4.5 Die Faszination von Funktionselementen oder “junk makes the world go around“

5.Glossar