Liane Ströbel

Leerverben als paralleler Kopulastrang und explizites Präsens

Sprache bzw. sprachliche Zeichen im Allgemeinen sind nichts anderes als Hilfsmittel zur Darstellung der außersprachlichen Wirklichkeit. Mit anderen Worten Sprache ist ein Kode, der uns hilft mit anderen Mitgliedern der gleichen Sprachgemeinschaft zu kommunizieren.

Mit Hilfe der Sprache ist es nicht nur möglich über in der Kommunikationssituation sichtbare Dinge zu sprechen, sondern auch über in der Kommunikationssituation nicht sichtbare Dinge und Sachverhalte.
Im Folgenden steht vor allem die Versprachlichung von in der Kommunikationssituation NICHT-SICHTBAREN Sachverhalten mit Hilfe semantisch leeren verbalen Materials im Mittelpunkt.

Am Beispiel von Leerverben und Leerverbgefügen –welche aber auch stellvertretend für weitere verbale Grammatikalisierungsprodukte gesehen werden können- wird illustriert, auf welche Strategien und sprachliche Muster der Produzent zurückgreift, um -mit Hilfe semantisch entleerter Verben- einen in der Kommunikationssituation NICHT- SICHTBAREN Sachverhalt zumindest aus sprachlicher Sicht sichtbar zu machen.

1. Auf den Spuren der Entstehung einer neuen Kategorie: „Leerverben als paralleler Kopulastrang und (ursprünglich) explizites Präsens“

1.1 „Sein“ und „haben“ als Euroversal

1.2 „Haben“ als paralleler Kopulastrang

2. Leerverben und Leerverbgefüge aus synchroner Sicht

2.1 Leerverben und Leerverbgefüge aus semantisch-lexikalischer Sicht

2.1.1 Leerverben als „Linking Element“

2.1.2 Das Prädikatsnomen als semantischer Kern des Leerverbgefüges

2.2 Leerverben und Leerverbgefüge aus formal-syntaktischer Sicht

2.2.1 Leerverben als Prädikatisierungsmorphem und Leerverbgefüge als analytische Verben

2.2.2 Die Struktur von Leerverben und Leerverbgefügen

2.3 Leerverben und Leerverbgefüge aus funktioneller Sicht

2.3.1 Leerverben, Quasi-Leerverben und Semi-Leerverben

2.3.2 Effizierende Verben

2.3.3 Modalverben und aktionsartverändernde Verben

2.3.4 Idiomatisch- markierte Verbindungen

2.4 Das Scherendilemma Leerverben als grammatisch- geschlossene & Leerverbgefüge als lexikalisch-offene Klasse

2.4.1 Funktionselemente vs. Inhaltselemente

2.4.2 Leerverben als relativ geschlossene Klasse

2.4.3 Leerverbgefüge als relativ offene Klasse

2.5 Leerverben als verbale Funktionselemente der Sprache

3. Leerverben und Leerverbgefüge aus typologischer Sicht

3.1 Leerverben & Leerverbgefüge im Chinesischen

3.1.1 „Shì 是“ und „yǒu 有“

3.1.2 Potentielle Leerverbgefüge im Chinesischen

3.2 Leerverben & Leerverbgefüge im Japanischen

3.2.1 „Iru いる“ und „aru ある“

3.2.2 Leerverbgefüge vom Typ „suruする“

3.3 Leerverben & Leerverbgefüge im Türkischen

3.3.1 „Sein“ und „haben“ im Türkischen

3.3.2 Leerverbgefüge vom Typ „etmek“ und „yapmak“

3.4 Leerverben & Leerverbgefüge im Ewe

3.4.1 Entsprechungen von “sein” und “haben” im Ewe

3.4.2 Serial-Verb-Verbindungen und Leerverbgefüge vom Typ „wo“ im Ewe

3.5 Leerverben und Leerverbgefüge innerhalb und außerhalb der ROM+ Sprachen

4. Leerverben und Leerverbgefüge aus diachroner Sicht

4.1 Leerverben und Leerverbgefüge als Produkt von Grammatikalisierung, Reanalyse und Analogie

4.1.1 Leerverben als Grammatikalisierungsprodukt

4.1.2 Mechanismen der Grammatikalisierung

4.2 Schemata der Grammatikalisierung von Leerverben

4.2.1 Die Notwendigkeit eines Musters als Orientierungshilfe für Grammatikalisierungsprozesse

4.2.2 Wahl „in absentia“ (Metapher) vs. „in praesentia“ (Metonymie)

4.2.3 Die doppelte Translation von Leerverbgefügen

4.2.4 Die Leerverbstrategie – Leerverben als ‚explizites Präsens’

4.3 Richtung des Grammatikalisierungsprozesses

4.3.1 Basic-Level-Konzepte als Ausgangspunkt verbaler Grammatikalisierungsprodukte

4.3.2 Überschneidungen im Funktionsbereich von „sein“ und „haben“ und ihre Konsequenzen

4.3.3 Die Motivation der Verdrängung einer Form aus Teilen ihres Funktionsbereichs am Beispiel von sp. ser und estar

4.3.4 Grammatikalisierungszyklen ohne Synthetisierung am Beispiel von „haben“ vs.„halten, machen, geben etc“

4.4 Integration von Leerverbgefügen im Sprachsystem

4.4.1 Der langsame „Siegeszug“ von Leerverben und Leerverbgefügen

4.4.2 Unabhängigkeitserklärung der Leerverben

4.5 Die Faszination von Funktionselementen oder “junk makes the world go around“

5.Glossar