Liane Ströbel

Tests to Judge the Level of Grammaticalization

Um verbo leve-Konstruktionen eindeutig von idiomatischen Wendungen zu unterscheiden, eignet sich, neben einer Gegenüberstellung von komplexen und simplen Prädikat (ter uma discussão = discutir vs. iniciar uma discussão ≠ discutir), vor allem das Possessivpronomen- kriterium (ter uma discussão = nossa discussão). Dieses stellt sicher, dass keine semantische Zusatzinformation zum Abstraktum hinzugefügt wird (vgl. Ströbel 2010: 32ff). Ist eine Um- schreibung mit Hilfe eines Possessivpronomens nicht möglich, dann befindet sich im Verb noch eine spezifische Zusatzinformation und es liegt somit kein verbo leve vor, sondern ent- weder eine Konstruktion mit Hilfe eines aktionsartspezifizierenden Verbs (iniciar uma discus- são ≠ nossa discussão) oder eine stilistische Variante (guardar o leito ≠ meu leito).

Um echte verbo leve-Konstruktionen handelt es sich hingegen in den folgenden Beispie- len:

(3) a. O Pedro teve um acidente. (= seu acidente)
b. O Pedro teve uma conversa interessante com o professor. (= sua conversa)
c. O Pedro fez um sorriso triste. (= seu sorriso) (ähnlich Duarte et alii. 2009: 48f.)

Der Vorteil des Possessivpronomentests ist, dass er auch dann funktioniert, wenn kein stam- mverwandtes Verb vorliegt (z.B. ter fome ʻHunger habenʼ vs. Ø, ≠ jejuar ʻfastenʼ) oder wenn sich Nomen und Verb semantisch auseinander entwickelt haben (z.B. dar uma escapadela ʻeinen Seitensprung machenʼ ≠ escapar ʻentfliehenʼ etc.). Dies zeigt, dass das verbo leve in der verbo leve-Konstruktion eine rein funktionale Rolle erfüllt, nämlich die eines

Prädikatisierungsmorphems5. Daher werden verbos leves auch häufig als “semantically empty supportive device, functioning as a carrier for tense, mode, aspect, and possibly other distinc- tions“ (Hengeveld 1992: 33) oder auch “élément de surface” (Van Peteghem 1991: 5f.) beze- ichnet.