Getty Images for Italian Global Series Festival
Die DNA des Utopischen
Anlässlich des 60-jährigen Star-Trek-Jubiläums sprachen Rebecca Romijn, Celia Rose Gooding und Anson Mount beim IGS-Festival in Rimini über ihre Rollen in Star Trek: Strange New Worlds. Im Interview antwortet das Trio im fliegenden Wechsel, ergänzte sich gegenseitig und brachte die Gedanken gemeinsam zu Ende.
Wie groß ist der Druck, an Bord alles richtig zu machen?
Enorm. Das Publikum und die Trekkies kennen jedes Detail im Schlaf. Es ist wie in einer Arztserie, nur dass man keinen medizinischen Berater an der Seite hat, der einem alles vorkaut, man muss sich selbst herantasten und es mit Leben füllen.
Wie verhält es sich mit den unterschiedlichen Sprachen?
Bei mehrsprachigen Figuren arbeiten wir eng mit Dialektcoaches und Linguisten zusammen. Klingonisch ist nun eine echte Sprache mit Universitätsdozenten und offiziellen Kursen. Für die vierte und fünfte Staffel hatten wir stundenlang Phonetikunterricht, um jeden Laut exakt zu treffen.
Neben klassischer Sci-Fi wagt die Serie Ausflüge in Film Noir, Komödien, Horror und Musicals. Wie fühlt sich das an?
Genau das macht den Reiz aus: Genregrenzen aufzubrechen und mit verschiedenen Formaten zu experimentieren. Star Trek gibt das her, weil das Fundament so stabil ist. Man kann locker ein Musical einschieben, ohne dass die Serie Schaden nimmt, wir wissen ja, dass wir immer zu unseren Wurzeln zurückkehren können.
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Wie gehen die Showrunner Henry Alonso Myers und Akiva Goldsman mit euren eigenen Ideen um?
Anders als viele andere Produzenten, die Vorschläge nur absegnen oder abblocken, besitzen Henry und Akiva echten Rebellengeist. Sie sind immer auf der Suche nach frischen, verrückten Einfällen.
Welche Szenen haben euch beim Drehen am meisten Spaß gemacht?
Die Comedy-Folge im Stil von Hangover, in der wir endlich mal feiern und albern sein durften, war ein absolutes Highlight. Aber auch der Kontrast reizt uns: mal einen Feigling zu spielen oder einen klassischen Romantiker, der in einer leichten Komödie einfach nur Hand in Hand Spazierengehen will.
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Was macht die philosophische Tiefe von Strange New Worlds aus?
Die Serie greift echte gesellschaftliche Ängste auf und spinnt sie weiter, um dem Publikum einen neuen Blickwinkel zu eröffnen. Es geht um Zusammenhalt und den Schmetterlingseffekt. Die Grundregel bleibt: Dem Unbekannten mit Neugier begegnen, nicht mit Panik. Damit führen wir das Erbe von TOS und Deep Space Nine für eine neue Generation fort.
Wie spiegelt Star Trek den Entdeckerdrang der Menschheit wider?
Es trifft einen Urnerv: den Drang, hinter den nächsten Horizont zu blicken. Das ist genau der Antrieb, der auch hinter echten Projekten wie der Internationalen Raumstation oder der Mondlandung steckt. Gene Roddenberry hat das Ganze einst als Weltraum-Western erdacht, und heute ist daraus ein globales Phänomen geworden.
Was bedeutet es, Teil eines Universums zu sein, das 24% der US-Geschichte umfasst?
Es macht schlicht stolz. Kunst ahmt oft das Leben nach, man nehme nur das Abzeichen des US Space Command, das ein Star-Trek-Delta trägt, oder die XPRIZE-Initiative, die vom Trikorder inspiriert wurde. Unsere Geschichten haben echten Einfluss auf die reale Welt.
Wie findet Strange New Worlds die Balance zwischen Einzelfolgen und Charakterentwicklung?
Während Discovery eine rein fortlaufende Handlung war, die kaum Raum für den klassischen „Planeten der Woche“ ließ, schlagen wir jetzt die perfekte Brücke. Wir zeigen Figuren am Anfang ihrer Karriere, wie Uhura, die ihre Selbstzweifel überwinden muss, während sie die Weiten des Alls erkunden.
Wie geht man mit Rollen um, deren Schicksal, wie bei Captain Pike, bereits besiegelte Sache ist?
Wenn das Ende bekannt ist, wird der Weg dorthin umso wichtiger. Die Möglichkeit, diese emotionale Reise mit Marie zu teilen, hat Pikes Perspektive völlig neu definiert. Das erinnert an große The Next Generation-Klassiker wie „Darmok“ oder „The Inner Light“.
Welche Kindheitserinnerungen verbindet ihr mit Star Trek?
Das Herumrennen in Kinosälen bei Spätvorstellungen, das Staunen über die gigantischen Schiffe in den J.J.-Abrams-Filmen oder das Schauen von alten Wiederholungen im Lokalfernsehen, als Kirk noch im klobigen Reptilienkostüm gegen den Gorn kämpfte.
Wie hat sich das Verhältnis zu den Fans verändert?
Die Trekkies sind eine unglaublich herzliche und verbundene Gemeinschaft. Es fühlt sich eher wie ein großes Familientreffen an als wie die toxischen Fandoms von heute, auch wenn der Druck spürbar bleibt, ikonische Figuren exakt zu treffen. Und der Austausch funktioniert bidirektional: Wenn uns NASA-Ingenieure fragen, warum niemand an Bord je das Wort „Astronaut“ in den Mund nimmt, sickert das direkt in den Writers’ Room zurück.
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