Dr. Liane Ströbel

Ein historischer Preis für eine unsterbliche Vision

Foto: Daniele Venturelli/Getty Images for Italian Global Series Festival

Ein historischer Preis für eine unsterbliche Vision

Erstmals in seiner Geschichte verlieh das IGS Festival 2026 den neu geschaffenen Maximo Celebration Award an Nicholas Meyer für seine literarische und filmische Präzision, die Star Trek aus der reinen Fernseh-Nische in den Rang moderner Mythologie hob, sowie an den Cast Jeri Ryan, Rebecca Romijn, Celia Rose Gooding und Anson Mount.

In einer Zeit, in der Blockbuster oft auf schnelle Effekte und oberflächliche Nostalgie setzen, feiert ein Franchise sein diamantenes Jubiläum, das seine Wurzeln im Kalten Krieg hat. Vor genau sechzig Jahren, im Jahr 1966, hob die USS Enterprise zum ersten Mal ab. Was damals als Science-Fiction-Serie im US-Fernsehen begann, hat sich zu einem weltweiten kulturgeschichtlichen Phänomen entwickelt. Doch wer den Blick nur auf die historischen Meilensteine richtet, verpasst das Wesentliche. Die anhaltende Relevanz von Star Trek liegt nicht im technologischen Fortschritt seiner fiktiven Zukunft, sondern in seiner radikalen Utopie des Zusammenlebens.

Schon der ursprüngliche Pilotfilm von Schöpfer Gene Roddenberry war ein Affront gegen die gesellschaftliche Realität der 1960er-Jahre. Eine Brückenbesatzung, die ethnische Herkünfte, Nationalitäten und das Geschlecht auf Augenhöhe vereinte, war im US-Fernsehen zur Zeit der Rassenunruhen ein politisches Statement. Die berühmte, wenn auch medial oft verkürzte Kuss-Szene zwischen Uhura und Kirk war kein bloßer Gag, sondern ein kalkulierter Bruch mit Tabus.

In der modernen Iteration, insbesondere in Serien wie Strange New Worlds, wird diese DNA fortgeschrieben, allerdings mit einer zeitgemäßen Tiefe. Figuren wie die junge Uhura, dargestellt von Celia Rose Gooding, werden von makellosen Ikonen zu greifbaren Menschen transformiert. Sie kämpfen mit Selbstzweifeln und dem Impostor-Syndrom, menschliche Schwächen, die in der klassischen Science-Fiction lange Zeit zugunsten glatter Heldenbilder ausgespart blieben. Diversität ist kein reines Quotenelement mehr, sondern die Grundvoraussetzung für erzählerische Glaubwürdigkeit.

Dass dieses Universum intellektuell überlebt hat, verdankt es nicht zuletzt seinen Autoren, die die Mechanismen klassischer Dramaturgie verstanden. Nicholas Meyer, der mit Der Zorn des Khan und Das unentdeckte Land prägende Filme schuf, bediente sich gezielt bei Shakespeare und Herman Melville. Der Konflikt zwischen Kirk und Khan ist im Kern die griechische Tragödie von Besessenheit und Rache, getragen von jambischem Pentameter und literarischer Wucht.

Gleichzeitig verstand es Star Trek immer, tagespolitische Konflikte in den Weltraum zu übersetzen. Star Trek VI nahm den Fall der Berliner Mauer vorweg und stellte eine fundamentale Frage, die auch im 21. Jahrhundert nichts an Schärfe verloren hat: Wer bin ich, wenn ich keinen Feind mehr habe, der mich definiert? In einer globalisierten Welt, die zunehmend von neuen Blockbildungsprozessen und polarisierten Identitätsdebatten geprägt ist, wirkt diese Fragestellung wie eine Mahnung an die Gegenwart.

Wenn heute, sechzig Jahre nach dem ersten Warp-Sprung, über das Erbe des Franchise gesprochen wird, schwingt darin immer auch eine Portion Melancholie mit. Die von Roddenberry entworfene Zukunft, eine Erde frei von Armut, Gier und nationalem Egoismus, ist keine realistische Prognose, sondern eine bewusste Zumutung für das Publikum. Sie hält der realen Welt einen Spiegel vor, der schmerzt.

Wenn Schauspielerinnen wie Jeri Ryan berichten, wie Figuren wie Seven of Nine über Jahrzehnte hinweg zu Identifikationsfiguren für marginalisierte Gruppen, von Frauen in MINT-Berufen bis hin zur LGBTQ+-Community, wurden, zeigt das: Geschichten verändern ihre Rezipienten, wenn sie ernsthaft nach dem Menschsein fragen. Star Trek bleibt deshalb mehr als Popkultur. Es ist das beharrliche, oft schmerzhafte Erinnerung daran, dass eine andere Welt nicht nur denkbar, sondern das einzig logische Ziel ist.

Foto: Daniele Venturelli/Getty Images for Italian Global Series Festival

Sixty years of exploring final frontiers, how Star Trek evolved from a 1960s television gamble into modern mythology and a radical vision of human unity.

#StarTrek #StarTrek60 #NicholasMeyer #JeriRyan #RebeccaRomijn #CeliaRoseGooding #AnsonMount #StrangeNewWorlds #SciFiHistory #CulturalPhenomenon #GeneRoddenberry, #SciFi, #IGSFestival #RiminiRiccione

Lieber in einer anderen Sprache?

ENGLISCH

SPANISCH

Lust auf mehr?

INTERVIEWS

ÜBER MICH

Weitere Texte bald auf  IG !