Auf dem Weg zu den italienischen BAFTAs
Im Rahmen der zweiten Ausgabe des IGS-Festivals in Rimini und Riccione hatte ich 2026 die Möglichkeit erneut mit Chiara Sbarigia zu sprechen und einen Ausblick auf die spannendsten Entwicklungen zu erhalten.
Mit Blick auf das Jahr 2027: Ich habe gehört, dass uns etwas Aufregendes und völlig Neues erwartet.
Wir bauen etwas Neues auf, das wir 2027 umsetzen werden; ich weiß im Moment noch nicht in welcher italienischen Stadt. Es wird ein Preis von weitaus nationalerem Charakter sein, ein bisschen wie die britischen BAFTAs oder die französischen Césars, die es in Italien so noch nicht gibt. Natürlich zeigt das Filmfestival von Venedig einige Serien außer Konkurrenz, und auch das Filmfest von Rom nimmt Serien auf, aber das sind nur angegliederte Teile zu etwas Größerem: dem Film. Wir möchten, dass die Serien für ihren eigenen Wert, für die Qualität und die Arbeit, die in allen Ländern zu diesem Genre geleistet wird, gewürdigt wird.
Das Italian Global Series Festival findet dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Was waren die größten Schwierigkeiten bei der Planung?
Die erste große Hürde bei der Organisation eines Festivals dieser Größenordnung ist die Beschaffung der Finanzierung. Es ist essenziell, jemanden aus dem öffentlichen Sektor zu überzeugen, der einen unterstützt. Seit unserem letzten Festival in Rom hatten wir sieben Jahre lang pausiert; damals hatten wir wohl etwas zu früh angefangen. Nun haben wir großartige Unterstützung in der Region Emilia-Romagna und vor allem im Kulturministerium gefunden.
Was hat sich seit des ersten IGS Festival im letzten Jahr in organisatorischer Hinsicht verändert?
Letztes Jahr sind wir ohne jegliche Ortskenntnis gestartet, da fast alle von uns aus Rom kommen. Das hat uns sehr geholfen zu verstehen, dass das Programm zweigeteilt sein muss: der Vormittag für die Arbeit der Journalisten mit den Talenten, Interviews und Jurys; und später am Abend, wenn es abkühlt und die Leute vom Strand zurückkehren.
Für sehr populäre Persönlichkeiten gibt es Ausnahmen. Aber es war eine echte interne Diskussion, denn ich bin diejenige, die darauf beharrt, dass alles kostenlos und für das Publikum zugänglich sein muss. Wir müssen Qualität liefern, aber die Leute auch schrittweise an schwierigere Nischenthemen heranführen. Man muss die perfekte Alchemie finden.
Stolz präsentiert APA-Präsidentin Chiara Sbarigia die offizielle Medaille des italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella. Die Auszeichnung wurde der 2. Ausgabe des IGS Festival als besondere Würdigung für ihren hohen kulturellen und künstlerischen Wert verliehen.
Wie ist die Gewichtung von europäischen und US-Produktionen?
Als Produzentenverband ist unsere Priorität die Entwicklung europäischer Koproduktionen, die deutlich realisierbarer sind als Projekte zwischen Italien und den USA, da wir eine kulturelle Nähe besitzen, die uns eine engere Zusammenarbeit ermöglicht. In diesem Jahr haben wir einen französischen Jurypräsidenten sowie britische, spanische und deutsche Mitglieder. Dennoch bleiben US-amerikanische Serien für uns extrem wichtig, da die nordamerikanische Industrie eine weitaus ältere und in diesem Format verwurzelte Geschichte hat. In Italien galten Serien jahrzehntelang als lange „B-Movies“, und es hat dreißig Jahre Verbandsarbeit gekostet, um zu beweisen, dass Serien denselben Wert besitzt wie ein Kino-Blockbuster.
Apropos Nachwuchsförderung: Man trifft auf dem Festival auch viele Studenten. Wie geht es mit dem Projekt „Sommerschule“ weiter?
Ja, wir haben das Projekt „Sommerschule“ genannt, auch wenn es keine klassische Schule ist. Wir haben verschiedene Universitäten und Institutionen, mit denen wir Vereinbarungen haben, beginnend mit der Universität Bologna, der ältesten Europas, sowie dem Centro Sperimentale und der Visconti-Schule in Mailand, dazu gebracht, junge Talente auszuwählen. Sie tauchen ganz in die Branche ein, haben Zugang zu außergewöhnlichen Persönlichkeiten und vergeben in diesem Jahr zum ersten Mal einen Preis, den Maximinus.
Als ich bei der Cinecittà war, hatte ich Mittel für die Ausbildung vorgesehen, und ich war überzeugt davon, dass es kurze Workshops sein müssen: Irgendwann muss man den jungen Leuten Zugang zur echten Realität der Industrie verschaffen, im Guten wie im Schlechten.
Wie war das Zusammentreffen mit Genrestars wie Titus Welliver?
Es war fantastisch. Er war nur zwei Tage hier, weil er wegen der Arbeit nach New York zurückmusste, und ich sagte zu ihm: „Nächstes Jahr kommst du als Jurymitglied, damit zwinge ich dich, eine Woche oder zehn Tage zu bleiben, und ich nehme dich mit, um all die Dörfer hier in der Umgebung zu sehen.“ Er hat zugesagt. Wir hatten ihn uns ganz anders vorgestellt: Am Set bzw. in der Serie sind wir es gewohnt, ihn sehr ernst zu erleben, als den klassischen mürrischen Ermittler; stattdessen ist er unglaublich sympathisch, beherrscht brillante Parodien, verfügt über ein beeindruckendes Filmwissen und hat uns durchgehend zum Lachen gebracht.
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